Leserbrief: Wir Goosefelder gegen die Eckernförder

In ihrem Leserbrief "Per Schnellbus nach Borgstedtfelde" (EZ, 15.03.21) macht die Autorin der Stadt Eckernförde massive Vorwürfe. So werde lieber "die weiße Industrie mit sauberem Tourismus (gefördert), als Gewerbefläche im Stadtgebiet auszuweisen. Die Kröte soll die Nachbargemeinde schlucken und muss noch 50 Prozent der Einnahmen an Eckernförde abgeben. (...)" Ihr Denkansatz "Wir Goosefelder gegen die Eckernförder" gibt dem Problem einen neuen unschönen Zungenschlag. Sach- und problemorientiert scheint mir das nicht. Und es tut dem nachbarschaftlichen Verhältnis und dem wirtschaftlichen Interesse beider Gemeinden nicht gut. Dazu ein paar Fakten:

 

Neben einigen wenigen Resten verfügt Eckernförde über keine so großen Gewerbeflächen im Stadtgebiet wie sie Punker benötigt. Dies ist die Grundlage dafür, mit Goosefeld ein gemeinsames Gewerbegebiet einzurichten.  Herstellungskosten wie auch die anfallenden Gewerbesteuern sollen geteilt werden. Es nicht egal, ob Punker in der Nähe bleibt oder die Gewerbesteuern in Borgstedtfelde zahlt. Ohne die Handvoll Betriebe, die den vollen Gewerbesteuerhebesatz bezahlen, ließen sich die vielfältigen freiwilligen Leistungen Eckernfördes nicht im gewohnten Umfang finanzieren. Von diesen Leistungen profitieren auch "die" Goosefelder. „Die“ Goosefelder würden auch von den Arbeitsplätzen und den Gewerbesteuereinnahmen von Punker und weiterer möglicher Firmen profitieren. Auch die mit einem Haupt- oder Nebenerwerb aus der "weißen Industrie". Auch in Goosefeld. Wo, liebe Frau Mahrt, ist hier die zu schluckende Kröte?

 

Dass durch die attraktive Lage des Gebietes weitere, auch Frau Mahrt unbekannte, Unternehmen angelockt werden könnten, istaus Sicht Eckernfördes als auch Goosefelds eher gewünscht. Dadurch würde die Wirtschaftskraft des kleinen Wirtschaftsraumes Goosefeld/Eckernförde gestärkt werden und die fortschreitende Überalterung vermindert. 

 

Eine gesunde Altersmischung der Bevölkerung erfordert u.a. auch Arbeitsplätze. Unsere Schulen und Kindergärten brauchen Kinder junger Familien. Freiwillige Feuerwehren brauchen auch Aktive mit Jobs in der Nähe. Und auch Senioren bevorzugen eine Mischung von Angeboten von Waren und Dienstleistungen für Menschen jeden Alters. Dies alles (und noch mehr) sollte mitgedacht werden, bevor man leichtfertig die Haltestelle für den Schnellbus nach Borgstedtfelde sucht. 

 

Wäre es für die Menschen in Eckernförde, Goosefeld und der weiteren Umgebung wie z.B. Kochendorf, Gammelby, Barkelsby, Altenhof nicht besser, ihre Region als einen wirtschaftlichen und kulturellen Zusammenhang zu begreifen, anstatt den Reflex "wir gegen die" zu bedienen? 

 

Anke Göttsch

Eckernförde